Kleine Werkstatt, große Wirkung

Carola Zarth und ihr Team in der Autowerkstatt. (Foto: Staffphoto)Carola Zarth und ihr Team in der Autowerkstatt. (Foto: Staffphoto)

Carola Zarth hat gerade einmal acht Mitarbeiter. Und trotzdem hat sie schon Preise für ihre Autowerkstatt bekommen. Unter anderem für Familienfreundlichkeit. Sie beweist: Auch kleine Unternehmen können Großes leisten.

Das riesige Werbeplakat an der schmalen Wand des Verkaufsraums könnte fast das Motto von Carola Zarth sein. Ihr Unternehmen repariere keine Motoren, heißt es da, es lässt Herzen höher schlagen. Das Motiv – Teil einer Imagekampagne des Deutschen Handwerkskammertages – ist nicht zu übersehen. Dieses Plakat sagt viel über die 49-Jährige und ihre Auto-Elektrik G. Holtz & Co. KG im Berliner Westen aus. Nicht nur, weil sie einen Großteil ihrer Kunden kennt. Und nicht nur, weil ihre acht Mitarbeiter ihr seit Jahren treu bleiben. Zarth sieht sich als Unternehmerin in einer Vorbildfunktion. Und hat bewiesen, dass auch ein kleiner Betrieb viel auf die Beine stellen kann. Dafür erhielt sie vor kurzem den zweiten Platz beim Berliner Unternehmerinnenpreis 2014.

„Es hat für das Image des Handwerks auch eine Außenwirkung, wenn die Betriebe sich engagieren“, ist Zarth überzeugt. Sie selbst mischt sich schon lange ein, auch aus eigenem Interesse heraus. Als sie 1989 Geschäftsführerin des Familienbetriebes wird – der existiert in der dritten Generation – sucht sie nach Frauen in ähnlichen Situationen. In den Netzwerken, die bereits existieren, fühlt sie sich nicht recht aufgehoben. Also gründet sie zwei Jahre später einfach ihren eigenen Verband, die „Unternehmerfrauen im Handwerk in Berlin“.

Von Ostberliner Frauen gelernt

Die gibt es schon in anderen Bundesländern, aber eben noch nicht hier. Besonders von den Ostberliner Frauen habe sie lernen können, „die waren schon immer sehr selbstständig“. Da macht es auch nichts, dass viele in anderen Branchen arbeiten. Schließlich herrscht in der eigenen Branche immer eine gewisse Konkurrenz, da redet es sich offener, wenn man nicht im direkten Wettbewerb steht. Auch und gerade über Misserfolge. „Das macht ja auch Mut.“ Hierfür lohnt sich nach Zarths Erfahrung ein reiner Frauenverband. „Männer haben damals wenig über Fehler geredet.“

Aber auch betriebsintern ist die Berlinerin erfindungsreich. Zum Beispiel bei der Familienförderung: Alles fängt damit an, dass ihre eigene Tochter 1996 zur Welt kommt. Vier Wochen später kehrt Zarth wieder stundenweise ins Büro zurück, stillt ihre Tochter aber insgesamt ein Jahr. Die beiden Großmütter passen auf die Kleine auf. „Meine Mutter sagt immer, aus dieser Zeit stammen ihre Plattfüße“, sagt Zarth und lacht. Die Omas gehen nämlich regelmäßig drei bis vier Stunden mit der Kleinen spazieren, damit Zarth in Ruhe arbeiten kann.

Aufenthaltsraum zum Kinderzimmer umfunktioniert

Als dann noch eine Kollegin ein Kind bekommt und immer mal wieder Not am Kind ist, etwa weil die Kita oder die Schule zu früh zumacht, funktionieren Zarth und ihre Mitarbeiter – Zarth spricht immer von „Kollegen“ – den Aufenthaltsraum kurzerhand zum Kinderzimmer um. Anfangs betreuen sie den Nachwuchs im Wechsel selbst. Dann springt eine pensionierte Erzieherin stundenweise ein. Das ist sinnvoll, denn inzwischen ist ein weiterer Kollege Vater geworden. Und der steht mit seiner Frau vor einem Dilemma: Sie will einmal die Woche eine Fortbildung machen, obwohl das Kind erst wenige Monate alt ist. Der Mann aber muss Vollzeit arbeiten.

Lösung Teil 1: Die junge Mutter bringt das Baby donnerstagsnachmittags in die Werkstatt, wo es während ihrer Fortbildung betreut wird. Lösung Teil 2: Als das nicht mehr geht, fängt er einfach später mit der Arbeit an – und repariert Autos bis in den späten Abend. „Man kann schon eine Menge leisten, wenn alle sich darauf einstellen“, sagt Zarth. Die Kunden erhalten ihre Fahrzeuge am nächsten Morgen statt am selben Tag. „Da hat sich nie einer drüber beschwert.“ Einfach mal quer denken, dann ist auch mit wenigen Mitarbeitern viel möglich, ist Zarth sich sicher.

Preise mit Beispielsfunktion

Und dann nicht mit den Erfolgen hinter dem Berg halten. „Man muss auch mal Duftmarken setzen.“ Der zweite Platz beim Berliner Unternehmerinnenpreis ist die dritte Auszeichnung, die ihr kleines Unternehmen einheimst. 2010 erhält es einen Sonderpreis beim Landeswettbewerb Unternehmen für Familie und 2003 wird es als „frauenfreundlichster Betrieb Bezirk Charlottenburg/Wilmersdorf“ ausgezeichnet. „Ich finde schon, dass die Preise eine Beispielfunktion haben.“ Nicht zuletzt, weil ihr Betrieb so wenige Mitarbeiter hat. Viele meinten, sie hätten gegen mittlere und große Firmen keine Chance. Das wollte sie noch nie hinnehmen.

Duftmarken setzt sie seit einigen Monaten auch im Vorstand der Berliner Handwerkskammer – als erste Frau überhaupt. Aber wehe, die Kollegen wollen sie nur als Quotenfrau. „Ich habe denen gleich gesagt, ich will nicht nur Frauenthemen besetzen“, sagt Zarth.

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