Was einen guten Chef ausmacht

Manche Chefs sind einfach nur eitle Gockel. (Foto: yusran7779/ sxc.hu)Manche Chefs sind einfach nur eitle Gockel. (Foto: yusran7779/ sxc.hu)

Dass wir manchmal lieber mit Männern zusammen arbeiten, haben wir ja schon erläutert. Wie sieht es aber mit Vorgesetzten aus? Ein Chef muss entscheiden können, moderieren, zuhören, informieren. Das können Frauen wie Männer.

Eigentlich finde ich eine Redaktion voller Männer toll. Ich bin damit aufgewachsen. In den Lokalredaktionen, in denen ich meine ersten journalistischen Schritte gemacht habe, waren überwiegend Männer, mit denen ich mich auch echt gut arrangieren konnte. Dumme Sprüche habe ich gekontert und die Herren waren dann noch nicht einmal beleidigt. Schwierig war es hin und wieder mit den wenigen Frauen. Denn die können schon mal zickig sein.

Hätte mich also früher jemand gefragt, ob ich lieber eine Chefin oder einen Chef haben möchte, hätte ich instinktiv den Mann gewählt. Weil ich mit ihm eine gewisse Gelassenheit, ein dickes Fell und Entscheidungsfreude verbinde.

Zickenterror gibt es auch unter Männern

Heute bin ich wählerischer. Denn ich habe inzwischen viele Führungskräfte erlebt, sei es während meiner Praktika, während des Volontariates oder danach. Seitdem weiß ich: Chef-Qualitäten hängen nicht vom Geschlecht ab – und Zickenterror gibt es auch unter Männern. Und das nicht zu knapp.

Zum Beispiel Typ 1, der Selbstdarsteller: Will permanent gelobt werden und um ihn zu einer vernünftigen Entscheidung zu bringen, sollte man ihm das so einflüstern, dass er denkt, die Idee stammt von ihm. Entscheidungen fällt er am einen Tag so und revidiert sie wenig später. Fragt man nach einem Grund, bekommt man keine Antwort. Über Entscheidungen, die das Unternehmen oder die Abteilung betreffen, informiert er, wenn ihm gerade danach ist. Führungskraft definiert er als Mittel, seine Minderwertigkeitskomplexe auszubügeln.

Dann ist da Typ 2, der Tyrann: Bissig und bullig. Wenn er etwas nicht so bekommt, wie er es will, zetert er so lange, bis man aufgeben muss. Oder er schaltet wiederum seinen Vorgesetzten ein, um seinen Willen durchzusetzen. Er prügelt verbal gerne im großen Kreis auf seine Mitarbeiter ein. Führungskraft ist für ihn ein Mittel, andere zu tyrannisieren.

Typ 3 fällt eher durch Nichtauffallen auf: Der Gleichgültige schert sich eigentlich nicht um seine Mitarbeiter oder die Arbeit. Er ist meist kurz vor der Pensionierung oder arbeitet im Großkonzern/öffentlichen Bereich. Weil er selbst keine Ziele mehr hat, unterdrückt er auch den Ehrgeiz seiner Mitarbeiter und hält sie an der kurzen Leine. Seine Stilmittel sind Demotivation und Enttäusching.

Ganz anders dagegen Typ 4, das Ideal: Dieser Chef spricht Klartext – aber unter vier Augen. In einem Tonfall und mit einer Wortwahl, dass der Mitarbeiter sofort weiß, was schief läuft. Aber hinterher noch schlafen kann. Der Chef sieht es als seine Aufgabe, seine Untergebenen über Entscheidungen im Rest des Hauses zu informieren. Wenn es abends mal länger dauert, dann gibt er zur Motivation auch mal eine Runde Kuchen aus. Führungskraft ist für ihn ein Mittel, eine Gruppe Menschen und/oder ihr Produkt nach vorne zu bringen.

Fortbildungen helfen – auch Chefs

Alle diese Typen habe ich erlebt und erlebe sie teilweise heute noch. Wer war Mann, wer Frau? Ganz einfach: Typ 1, 2 und 3 waren männlich, Typ 4 nicht. Würde ich mir deswegen heute unbedingt eine Chefin wünschen?

Nein. Denn ich habe auch schon eine unglaubliche Zicke über mir ertragen müssen. Und ein, zwei sehr nette Chefs genossen. Was ich sagen will: Es kommt nicht auf das Geschlecht an. Es ist sicher eine Frage des Charakters, aber auch eine Frage der Vorbereitung. Ich denke, Typ 4 hat, bevor sie die Stelle angetreten hat, ein paar sehr gute Fortbildungen absolviert. Im Vermitteln zwischen Streithähnen, im Führen von Kritikgesprächen, im Leiten von Versammlungen. Das wird ihr geholfen haben. Und so etwas können Männer wie Frauen lernen. Sie müssen es nur wollen.

Ich habe leider den Eindruck, sie wollen es viel zu selten.

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